WIP - Erlebbarkeit des Wupperufer in Wipperfürth
Wettbewerb für Landschaftsarchitektur und Objektplanung für Ingenieurbauwerke und Tragwerksplanung
Hansestadt Wipperfürth
2026
Teilnahme
mit sbp schlaich bergermann partner
Das Radium-Areal bietet die einmalige Chance, einen ehemals industriell geprägten Stadtbaustein in ein lebendiges, identitätsstarkes Quartier von hoher freiräumlicher Qualität zu transformieren. Der Entwurf verwebt das Gelände als selbstverständliches Bindeglied dauerhaft mit dem umgebenden Stadtraum und macht den Flussraum der Wupper wieder unmittelbar erlebbar. Eine prägnante Formensprache aus abgerundeten, frei fließenden Geometrien zieht sich dabei als Leitmotiv durch das gesamte Areal. Sie schafft eine klare räumliche Ordnung und ermöglicht weiche, kohärente Übergänge zwischen den urbanen Bebauungsstrukturen, den dynamischen Bewegungsflächen und dem sensiblen Fließraum der Wupper.
Als verbindendes Scharnier zur Innenstadt fungiert die neue Rad- und Fußwegebrücke. Anstatt sich in den Vordergrund zu drängen, besticht das Bauwerk durch formale Zurückhaltung und die zeitlose Eleganz des regionalen Natursteins. Die Brücke ist ein einfaches Bauwerk. Geometrisch nimmt sich der Steg bewusst zurück, um die besondere historische Industriearchitektur erlebbar zu machen und atmosphärisch zu rahmen. Ein schlanker Pfeiler in der Flucht der Außenwand des Turbinenhauses mindert die Spannweiten des Überbaus auf ein müheloses Maß. Zur Stadt hin weitet sich die Brücke schließlich einladend auf und greift die heutigen sowie zukünftigen Wegeverbindungen durch das Werkstattgebäude mit einer natürlichen Selbstverständlichkeit auf.
Neue urbane Qualitäten und Platzabfolgen
Die Erschließung des Areals erfolgt über eine Abfolge charakterstarker Plätze, die das Freiraumangebot der Innenstadt konsequent erweitern. Den nördlichen Auftakt in das Quartier bildet die „Grüne Gasse“, die Besucher über eine einladende Grüninsel intuitiv in das Areal leitet. Das urbane Herzstück vor dem neuen Wohnquartier bildet der Münzplatz. Er schließt das Wegenetz auf und verknüpft es über die neue Brücke, südlich mit dem Hermannsplatz. Als Hommage an die Tradition der Münzprägungsstadt Wipperfürth, verortet sich hier der neue Münzbrunnen. Unter dem Schatten dreier hochgeasteter Klima-Bäume bietet der Platz mit seiner neuen Außengastronomie eine hohe Aufenthaltsqualität auch abseits des Konsums. Weiter westlich, direkt dem Alten Heizwerk vorgelagert, spannt sich die Stadtterrasse auf, die neue Ausblicke mit dem Weg zum Wasser verbindet. Auf der südlichen Flussseite formuliert der „Kulturstrand“ einen weiteren Anlaufpunkt, der flexibel bespielt werden kann.
Der Entwurf verwebt das Gelände als selbstverständliches Bindeglied dauerhaft mit dem umgebenden Stadtraum und macht den Flussraum der Wupper wieder unmittelbar erlebbar

Den Fluss erlebbar machen
Die Neugestaltung schafft einen durchgängigen Uferweg, der den Flusslauf begleitet und immer wieder neue Perspektiven auf das Wasser eröffnet. Die Ufergestaltung selbst erfolgt bewusst zurückhaltend und greift bewusst an wenigen Orten in den Bestand ein. Teile des Ufers bleiben bestehen und die bestehende Vegetation aus Aufwuchs und einzelnen Steinen begrünt die Flanken der Wupper. Gezielt werden Abschnitte für den direkten Kontakt mit dem Element Wasser zugänglich gemacht. Die „Wupperbalkone“ befinden sich als Aussichtspunkte an den Uferkanten und stärken die Wahrnehmung des Flusses im Kontext zur Industriearchitektur. Auf der „Wuppertribüne“ am Münzplatz sowie auf der „Ufertribüne“ unterhalb der Stadtterrasse reichen großzügige Sitzstufen bis an die Wasseroberfläche heran und öffnen den Raum für einen direkten, unkomplizierten Aufenthalt am Wasser. Als grüner Rücken des Areals fungiert das Klimawäldchen im Westen, das ökologische, klimatische und freiräumliche Funktionen bündelt. Der vitale Baumbestand wird erhalten, durch gezielte Neupflanzungen ergänzt und in das Konzept integriert. Ein Weg führt durch diesen Bereich mit industrienatürlicher Prägung und mündet in weitere Aussichtspunkte am Wasser. Innerhalb des Waldes verorten sich Spiel- und Aufenthaltsbereiche. Ein Kletterwald, ein Abenteuerspielplatz und Kleinkindbereiche greifen gestalterisch das Motiv von „Treibholz“ auf und etablieren es als skulpturale, bespielbare Landschaftselemente. Durch seine Nähe zum Wupperradweg werden hier konkret Fahrradfahrer und Touristen angesprochen.

Als verbindendes Scharnier zur Innenstadt fungiert die neue Rad- und Fußwegebrücke, anstatt sich in den Vordergrund zu drängen, besticht das Bauwerk durch formale Zurückhaltung und die zeitlose Eleganz des regionalen Natursteins
Die steinerene Brücke
Mit seiner leichten Spreizung nimmt der Grundriss der Brücke zugleich den heutigen und den zukünftigen Weg durch das Werkstattgebäude auf. Präzise gefräst besticht die dauerhafte Hochwertigkeit des massiven Natursteins, der Tragwerk und Gehfläche der Brücke bildet.
Eine schlanke Pfeilerscheibe teilt die Querung in leicht asymmetrische Spannweiten. Die Scheibe liegt abseits des Flusslaufs in Fortsetzung der Außenwand des Turbinenhauses. Die Bauhöhe des Überbaus zieht – der Momentenbeanspruchung entsprechend – zur Mittelstütze hin dezent an. Die angemessenen Spannweiten ermöglichen eine einfache, dezente Brücke.
Der Einsatz von Naturstein liegt auf der Hand: der große Steinbruch in Lindlar liegt nur wenige Kilometer entfernt. Die dort abgebaute Grauwacke besticht durch ihre Dauerhaftigkeit, die Festigkeit und muss über die Lebensdauer der Brücke nicht gewartet werden. Auf einen zusätzlichen Belag auf der Gehfläche kann verzichtet werden. Die Ökobilanz von Naturstein sucht seinesgleichen. Sind Transportwege kurz, produziert seine Herstellung äußerst geringe Emissionen. Der Überbau wird aus vorgespannten Steinblöcken hergestellt. Die Vorspannung erfolgt durch in PE-Hülsen geführten Stahllitzen. Teils werden diese durch zentrische Bohrungen, teils durch parabelförmige Nuten an der Unterseite der Steinblöcke geführt. An den Enden werden sie verankert, die Verankerungen dauerhaft vergossen.
Die Notwendigkeit sehr breiter Steine oder einer Quervorspannung wird umgangen, indem zwei, statisch unabhängige Längsträger à 2.7 m Breite gebaut werden. Die Längsträger verlaufen leicht gespreizt zueinander, um die weitere Wegeführung im Süden aufzugreifen. Der mittlere Streifen wird mit aufgerauten, Betonplatten gedeckt, wie sie sich in der Platzgestaltung wiederfinden. Die Fugen bleiben exponiert, um die Hierarchie der Konstruktion zu zeigen.
Überbau und Mittelpfeiler werden monolithisch miteinander verbunden, der elastische Festpunkt liegt über dem Pfeiler. Am südlichen Widerlager quert der Überbau die Natursteinmauer und lagert dann, wie auch im Norden, leicht auf Elastomerlagern auf. Es werden keine Horizontalkräfte eingeleitet, die Widerlager können folglich sehr kompakt sein. Sie werden rüttelarm hergestellt.
Unweigerlich erfährt die Lichtgestaltung an diesem besonderen Ost einen hohen Stellenwert. Sie ist eine Hommage an die Lampenwerke, die seit über einem Jahrhundert den Ort geprägt, ja geschaffen haben. Sie erzählt die Geschichte des Ortes fort – in neuem Licht. Die Wege werden dezent doch funktional beleuchtet, bestimmte Fassaden der Werksgebäude werden behutsam inszeniert, um auch nachts intuitiv zu leiten. An den Aufenthaltsorten und auf der Brücke selbst ist das Licht bodennah, lässt Blicke schweifen auf das umgebende Ensemble.
Klimaresilienz, Biodiversität und nachhaltige Materialität
Das Vegetationskonzept ist gezielt auf Klimaresilienz und Biodiversität ausgelegt. Auf den stark frequentierten Plätzen wie der Stadtterrasse und dem Kulturstrand spenden markante Klimabäume wie Feldahorn und Zerreiche Schatten. Entlang des zentralen Uferwegs begleiten neu gepflanzte Ulmen-Hybriden und Amberbäume die Wegeführung. Die Baumpflanzungen werden durch einen artenreichen Staudensaum unterfüttert, der die Biodiversität im Quartier nachhaltig stärkt. Begleitet wird dies von einem fortschrittlichen Regenwassermanagement: Ein System aus Baumrigolen und Rasenmulden integriert das Prinzip der wassersensiblen Stadtentwicklung sichtbar in den Freiraum.
Die Materialwahl der Freianlagen ist robust, regional und langlebig. Das Thema der Grauwacke, welches sich im Tragwerk der Brücke manifestiert, setzt sich als feines Detail in Form von Bodenintarsien auf der Stadtterrasse, dem Münzplatz sowie punktuell auf der Uferpromenade fort. Die robuste Möblierung aus einheitlich pulverbeschichtetem Stahl und langlebigen, acetylierten Holzauflagen bietet vielfältige Nutzungsmöglichkeiten.












