SPS - Quartiersentwicklung des Seerosenpark in Senden
Mehrfach-Beauftragung zur Quartiersentwicklung
Senden
2026
1. Platz, Weiterbearbeitung
mit Braunger Wörtz Architekten
Visualisierung: renderatelier
„Ich trete ein - und sofort umfängt mich das dichte Grün. Der Weg
schlängelt sich durch das Dickicht, umgeben von lichtem
Blattwerk und hohen Bäumen, die wie stille Wächter diesen Ort
behüten. Es fühlt sich an, als würde ich durch ein grünes Tor
gehen, das mich behutsam in eine andere Welt führt.
Langsam öffnet sich der Pfad, und vor mir breitet sich eine weite
Aue aus. Der weiche Teppich aus grünen Gräsern lädt mich ein,
stehen zu bleiben, tief durchzuatmen und die Weite zu genießen.
In der Ferne erhebt sich ein dichtes Gehölz, aus dem hohe,
majestätische Pappeln stolz in den Himmel ragen. Ihre Blätter
rauschen sanft im Wind.
Ich gehe weiter, lasse die Aue hinter mir und durch ein lockeres
Blätterdach erkenne ich schließlich den See. Das Wasser glitzert
im Sonnenlicht. Hier, zwischen Wald, Wiese und Wasser, spüre
ich die besondere Verbindung von Natur und Ruhe - ein Ort, der
zum Verweilen, Wohlfühlen und zuhause sein einlädt.“
Diese Landschaftsqualitäten sollen durch die Bebauung nicht verloren gehen, sondern als prägende Merkmale herausgearbeitet und erlebbar gemacht werden. Ziel ist es, dass Natur und Architektur eine harmonische Geschichte erzählen, die den Charakter des Ortes stärkt und für Bewohner und Besucher gleichermaßen erfahrbar macht.
Die verschiedenen Bereiche des Seerosenparks werden durch ihre landschaftliche Prägung und Architektur charakterisiert, die sensibel auf die individuellen Landschaftsbilder der Insel reagieren.
In Formensprache und Materialität spiegeln die Gebäude diese bezaubernden und unterschiedlichen Qualitäten wider - vom dichten Wald über die offene Aue bis hin zum Ufersaum des Sees.
Aus diesem dialogischen Ansatz heraus entstehen vier unterschiedliche Haustypen - jeweils abgestimmt auf die spezifischen Bedingungen und Atmosphären ihres Standorts. Jeder Typ bringt eine eigene räumliche Qualität mit sich und interpretiert das Zusammenspiel von Natur und gebautem Raum auf individuelle Weise.So entstehen Orte mit Identität und Wiedererkennungswert, die sowohl funktional als auch gestalterisch den Charakter des Ortes stärken und ein Zuhause mit Identität schaffen.
Es entstehen Orte mit Identität und Wiedererkennungswert, die sowohl funktional als auch gestalterisch den Charakter des Ortes stärken und ein Zuhause mit Identität schaffen.

Quartier mit Offenheit und Vielfalt - Lebensräume für alle Generationen
Das neue Quartier versteht sich als lebenswerter Ort für Menschen im Alter - bietet dabei aber bewusst mehr als ein reines Seniorenwohnprojekt. Es soll ein Zuhause schaffen, das Gemeinschaft fördert, Begegnungen ermöglicht zwischen Mensch,
Natur und Tieren - privat wie öffentlich. Das Leben findet im Quartier selbst statt: durch verschiedene Wohnformen, zentrale und dezentrale Angebote sowie gezielt platzierte, öffentliche Nutzungen, die über das gesamte Areal verteilt sind.
Zentrum am See - ein Ort der Begegnung
Das Herzstück des Quartiers bildet das Zentrum am See - ein belebter Ort mit direktem Zugang zum Wasser. Hier liegt der Seerosenplatz - ein öffentlicher Raum, der gemeinsam mit einem Restaurant, einer Tagespflege, Kinderbetreuung, Naturbauernhof und weiteren Angeboten ein lebendiges Zentrum schafft.
Durch die Nähe zum Wasser und den direkten Blick auf den See entsteht ein hochwertiger, atmosphärisch inspirierender Ort - die Gebäude werden zu „Seehäusern“. Im Erdgeschoss befinden sich öffentliche Nutzungen wie ein Restaurant oder ein Dorfladen, in den oberen Geschossen entstehen Wohnungen und Ferienunterkünfte mit Blick aufs Wasser.
Außenanlagen
Der sanft geneigte, barrierefreie Rundweg führt entlang der Tagespflegeeinrichtung bis zu einem Steg am Wasser, wo sich die Möglichkeit zum Baden und Beobachten der Schwimminseln bietet. Die übrige Ufergestaltung bleibt bewusst naturbelassen - nur vereinzelt öffnen sich Stege als stille Aussichtspunkte über das Wasser, sodass ruhige Rückzugsorte und wertvolle Lebensräume für Tiere entstehen.
Die Architektur der Seehäuser nimmt Bezug auf die Geschichte des Ortes: Die markanten schrägen Dachformen erinnern an die Silhouetten des ehemaligen Kieswerkes, welches den Ort einst prägte. Dieses prägnante Erscheinungsbild verleiht den Gebäuden einen besonderen Charakter und macht sie zu einem identitätsstiftenden Höhepunkt im Quartier.
Hinter den Seehäusern öffnet sich die weite Auenlandschaft, die nicht nur naturräumliche Qualität bietet, sondern auch soziale Funktionen erfüllt - mit einem Naturbauernhof samt Freigehege sowie einer Kita als wichtige Bestandteile des gemeinschaftlichen Lebens. Der geschwungene Rundweg um die Aue führt durch ein Mosaik aus blühenden Stauden, Retentionsflächen und Aufenthaltsorten. Im Wechsel der Jahreszeiten verändert sich hier das Bild der Landschaft- mal farbenprächtig und lebendig, mal ruhig und meditativ.

Am Seerosenteich entsteht ein Freiraum, der nicht nur Lebensqualität bietet, sondern Lebensfreude weckt: ein Ort, der Bewegung, Ruhe, Begegnung und Natur zu einem sinnlichen Ganzen verbindet
Waldhäuser - Zuhause im Klang des Waldes
Die Waldhäuser im Norden sind eingebettet in die bestehenden Lichtungen des Waldes. Die Architektur wird hier durch den Ort geformt: Die Position des Baumbestandes, die Topografie und die Lichtverhältnisse bestimmen die Lage und Gestalt der Gebäude. Die rote Holzfassade lässt die Häuser zwischen dem Grün der Bäume hervorscheinen, beinahe wie ein natürliches Element. Ein umlaufender Laubengang öffnet die Gebäude zur Natur und schafft eine starke Verbindung zwischen Innen und Außen.
Der Spaziergang durch das lichte Baumdach wird in der Waldnachbarschaft zu einem sinnlichen Erlebnis - der Duft von Erde, das Rascheln der Blätter, das wechselnde Lichtspiel zwischen den Ästen Immer wieder öffnen sich kleine Plätze mit Sitzgelegenheiten, die zum Ausruhen, Plaudern oder stillen Beobachten einladen. Die Unterpflanzung aus Funkien, Farnen und Anemonen sorgt für eine ruhige, grüne Grundstimmung, die das Auge entspannt und Geborgenheit vermittelt.
Baumhäuser - ein Nest in den Bäumen
Die Baumhäuser reihen sich entlang des Illerkanals ein und orientieren sich an
der markanten Abfolge der großen Pappeln, die diesen Bereich prägen. In
rhythmischer Setzung fügen sich die Häuser wechselnd mit den Bäumen ein. Die Architektur reagiert darauf mit einer sich nach oben weitenden Form, ähnlich einer Baumkrone. Großzügige Balkone eröffnen Ausblicke in die Wipfel der Pappeln - geschützt, behütet, und zugleich mit starker räumlicher Präsenz im Grünen. Hier treffen private Gartenbereiche und gemeinschaftliche Wege
aufeinander. Spaziergänge führen zwischen duftenden Staudenbeeten und
kleinen Obstgehölzen hindurch, immer begleitet von der Aussicht über die
weitläufige Wiesenlandschaft.
Schilfhäuser - Rückzugsorte am Wasser
Im Übergang zwischen Land und See, eingebettet in den Wildstaudensaum,
liegen die Schilfhäuser, deren private Terrassen sich zum See öffnen. Durch ihre Lage und Ausrichtung bieten sie Rückzug und Ruhe - ein unmittelbares Erleben von Natur, Wasser und Landschaft in geschützter Atmosphäre.
Vegetation und Vielfalt
Im gesamten Gebiet sorgen hochwertige Langbänke mit Rückenlehnen und Armstützen für komfortables Sitzen und ermöglichen auch mobilitätseingeschränkten Menschen längere Aufenthalte. Radständer und Abstellmöglichkeiten sind dezentral verteilt, und die Wegeführung erlaubt das sichere, intuitive Zurechtfinden. Eine intelligente, tierfreundliche Beleuchtung sorgt für Orientierung und Sicherheit bei Dämmerung, ohne den Nachthimmel oder die Tierwelt zu stören. Die Materialwahl unterstützt die warme, natürliche Atmosphäre des Parks: wassergebundene Decken mit barrierefreien Laufstreifen, schwellenloses Pflaster und langlebige,haptisch angenehme Oberflächen. Übergänge sind fließend, Beläge rutschfest und trittsicher ausgeführt. So wird Barrierefreiheit selbstverständlich erlebbar, ohne gestalterische Kompromisse. Die Vegetation folgt einem ökologisch wertvollen Pflegekonzept. Extensiv gepflegte Wiesenflächen wechseln sich mit blühenden Staudenbeeten und intensiver gestalteten Nachbarschaftsgärten ab. Durch eine reduzierte Mahd, den Einsatz von Kleintieren und gezielte Pflege werden natürliche Lebensräume geschaffen, die Insekten, Vögel und Kleintieren Raum geben. Das entstehende Landschaftsbild lebt vom Wechselspiel der Jahreszeiten - von der Blüte im Frühjahr über das goldene Gras im Sommer bis zum Reif auf den Stauden im Winter. So entsteht am Seerosenteich ein Freiraum, der nicht nur Lebensqualität bietet, sondern Lebensfreude weckt: ein Ort, der Bewegung, Ruhe, Begegnung und Natur zu einem sinnlichen Ganzen verbindet - und den Menschen in jeder Lebensphase ein Zuhause gibt.

















