SLG - Weiterentwicklung Gedenkstätte Stalag 326
Realisierungswettbewerb
Gedenkstätte Stalag 326
2026
Anerkennung
mit Neff & Jensen Entwurfsbüro und h.und.b communication
„Das Lager wurde überall gemacht.“ Nicht nur hinter dem Zaun, sondern in Außenstellen, Betrieben, Landwirtschaft, Behörden und in der Mitte der Gesellschaft. Der Entwurf der Gedenkstädte übersetzt dieses Leitnarrativ in eine klare Abfolge von Ankommen, Weg, Schwelle, Prolog, Lagerstraße, historischen Gebäuden, räumlichen Spuren und Rückweg. Das heute stark überformte Areal wird nicht rekonstruiert, sondern durch wenige präzise Setzungen wieder lesbar gemacht.
Leitidee und räumliche Ordnung
Eine lineare bauliche Spur markiert den Kern des ehemaligen Lagerszauns. Sie verweist auf die frühere Grenze des Lagerzauns, ohne diesen historisierend nachzubauen.
Der Neubau sitzt an dieser Schwelle und bildet den architektonischen Auftakt des Dokumentationszentrums.
Die Lagerstraße bleibt als lange, offene Sichtachse frei. Ihre Länge und Geradlinigkeit machen die Dimension des Lagers erfahrbar. Die Besucherführung folgt dieser Linearität und bindet über kurze Stichwege die erhaltenen Baracken, die verschwundenen Barackenstandorte, die Sickergrube und weitere historische Orte ein.
Der Besuch beginnt bereits am Lippstädter Weg beziehungsweise am Parkplatz. Ein mäandrierender Weg führt durch den vorhandenen Baumbestand zum Dokumentationszentrum. Er ist kein neutraler Zuweg, sondern der bewusste Übergang aus der Gegenwart in den historischen Ort. Erste Informationen, Zeitzeugenberichte und biografische Fragmente sensibilisieren die Besuchenden für die Geschichte des Ortes. Am Besucherzentrum wird die frühere Schwelle des inneren Lagers erreicht. Wo sich einst das Lagertor befand, markiert der Neubau heute Eingang, Adresse und Orientierung.
Der Freiraum arbeitet mit einer klaren Gegenüberstellung. Vor dem Lager entsteht ein landschaftlicher, zunehmend offener Annäherungsraum. Im ehemaligen Lagerraum selbst wird die Atmosphäre karg, baumfrei und roh. Die früheren Baracken werden nicht nachgebaut, sondern räumlich abstrahiert: baulich gefasste Stirnseiten und dichte Pflanzungen zeichnen die verlorenen Grundflächen nach. So entsteht eine lesbare Ordnung, die Enge und Organisation des Lagers vermittelt, ohne eine falsche historische Vollständigkeit zu behaupten.
Das Lager wurde überall gemacht.“ Nicht nur hinter dem Zaun.

Neubau Dokumentationszentrum
Der Neubau ist als ruhiger, eingeschossiger Riegel konzipiert. Er nimmt die Linearität der Grenzsetzung auf und legt sich an die Schwelle zwischen Ankommen und Lagergelände. Die Typologie bleibt bewusst einfach: ein flacher, präziser Baukörper, der den Ort ordnet, ohne mit den historischen Baracken zu konkurrieren oder Einblicke in den gesicherten Polizeibereich zu ermöglichen.
Der Eingang liegt an der Lagerstraße und erzeugt eine torartige Situation. Der Baukörper fasst den Übergang, lässt den Blick entlang der historischen Achse aber offen. Westlich des Eingangs liegen Prolog und Ausstellung, östlich schließen Café, Verwaltung, Forschung und Technik an. Das Archiv folgt derselben Grundrisslogik und führt die Gebäudestruktur fort. Dadurch entsteht ein wirtschaftliches und gut orientierbares System mit kurzen Wegen, klaren Adressen und einer nachvollziehbaren inneren Ordnung.
Die Eingeschossigkeit reduziert technische und brandschutztechnische Komplexität. Alle Bereiche sind barrierefrei erreichbar, einfach zu entfluchten und flexibel nutzbar. Die spätere Erweiterung kann die lineare Struktur fortsetzen und je nach Bedarf an Ausstellung, Bildung, Archiv oder Verwaltung anschließen, ohne das Grundkonzept zu verändern. So bleibt der erste Bauabschnitt vollständig, aber nicht abgeschlossen.
Material, Konstruktion und Nachhaltigkeit
Der Neubau wird als robustes, dauerhaftes und kreislauffähiges Gebäude gedacht. Tragende
Stampflehmwände bilden die primäre Konstruktion. Sie geben dem Haus eine angemessene Schwere und Ruhe, speichern Wärme und Feuchtigkeit und reagieren auf den Charakter des Ortes. Die massive Brettsperrholzdecke liegt auf den Stampflehmelementen auf. Nichttragende Innenwände werden aus Lehmsteinen und Lehmputz hergestellt. Der Sockel wird als robuster Dämmbeton ausgebildet.
Die Konstruktion folgt dem Prinzip weniger, sortenreiner und rückbaubarer Materialien. Die Außenwände sind als Stampflehm-Verbundelemente mit mineralischer Recyclingdämmung wie Blähbeton oder Glasschaumschotter vorgesehen. Damit werden hohe thermische Masse, Feuchteregulierung, dauerhafte Oberflächen und eine bauphysikalisch leistungsfähige Hülle miteinander verbunden. Die Elemente können vorgefertigt werden, um Bauzeit, Schnittstellen und Ausführungsrisiken zu reduzieren.
Das Materialkonzept vermeidet kurzlebige Schichten und schwer trennbare Verbünde. Natürliche und mineralische Baustoffe, recyclingfähige Bauteile, heimische Holzprodukte, lösungsmittelarme
Oberflächen und der Verzicht auf PVC-haltige Beläge unterstützen den Anspruch der LWL-
Gebäudeleitlinie. Zirkuläres Bauen wird nicht als Zusatz verstanden, sondern als einfache konstruktive Ordnung: wenige Materialien, klare Fügungen, lange Nutzungsdauer, dokumentierte Rückbaubarkeit.
Umgang mit den Bestandsgebäuden
Die Bestandsbaracken werden als eigenständige historische Zeugnisse behandelt. Ziel ist nicht
energetische oder gestalterische Vereinheitlichung, sondern ein differenzierter, denkmalgerechter
Umgang mit den jeweiligen Zeitschichten. Eingriffe erfolgen zurückhaltend, substanzschonend und
möglichst reversibel. Dächer, Fenster, Türen und technische Einbauten werden nur dort erneuert oder ergänzt, wo Nutzung, Sicherheit, Bauphysik oder Erhalt dies zwingend erfordern.
Die ehemalige Entlausungsbaracke bleibt als historisches Exponat lesbar. Die vorhandenen Spuren, Oberflächen und Raumfolgen werden gesichert und erfahrbar gemacht. Die Ausstellung thematisiert hier Registrierung, Erfassung, Entlausungsprozedur, Entwürdigung und den Verlust von Individualität nach der Ankunft. Die ehemalige Arrestbaracke wird ebenfalls denkmalgerecht saniert. Sie vermittelt Disziplinierung, Kontrolle, Bestrafung und konkrete Schicksale im Lageralltag. Die ehemalige Sozialwerksbaracke steht für eine jüngere Zeitschicht und erlaubt einen weitergehenden energetischen und funktionalen Umgang. Sie wird so ertüchtigt, dass sie die Nachkriegsgeschichte des Ortes als Unterkunfts- und Lebensort für Geflüchtete und Vertriebene aufnehmen kann. Empfindliche Exponate werden nicht durch eine Vollklimatisierung der Altbauten geschützt, sondern über klimastabile Vitrinen und punktuelle, reversible Einbauten. So bleiben die historischen Gebäude lesbar, während die Anforderungen der Ausstellung erfüllt werden.
Freianlagen
Die Annäherung erfolgt über einen landschaftlich inszenierten Wegeraum. Vom Lippstädter Weg und von den Stellplätzen am Emsweg führt ein sanft geschwungener Hauptweg durch den vorhandenen Baumbestand. Das bestehende Kronendach bildet einen geschützten Auftakt. Nach Süden lichtet sich der Raum zunehmend und gibt den Blick auf das Besucherzentrum frei. Die Vegetationsentwicklung unterstützt die räumliche Dramaturgie des Erinnerungsortes: Während der nördliche Bereich durch eine lichte, waldartige Struktur geprägt ist, wandelt sich das Bild schrittweise zu einer offenen, heideartigen Landschaft mit zurückhaltender Sukzession. Offenliegende Bodenflächen mit rauem Charakter erinnern an die frühe Entstehungsphase des Lagers, als die Fläche noch unbebaut war und die ersten Lagerstrukturen erst entstanden. Ein zentraler Auftaktplatz dient als erster Ort der Orientierung und inhaltlichen Einführung. Informationsträger aus gewalztem Stahl vermitteln hier historische Hintergründe und schaffen einen ersten Bezug zur Geschichte. Von dort begleiten locker gesetzte, vertikale Stahlelemente den Weg. Der Leitgedanke „Das Lager war überall“ wird so beim Gehen räumlich erfahrbar. Das Besucherzentrum wird von einem großzügigen, befestigten, umlaufenden Band gefasst. Dieses bildet eine klare Adresse, gewährleistet die barrierefreie Erschließung und schafft einen vermittelnden Übergang zwischen Architektur und Landschaft. Perspektivisch wird die Möglichkeit geschaffen, das Dokumentationszentrum über eine fußläufige Verbindung mit dem sowjetischen Ehrenfriedhof im Osten zu verknüpfen. Durch diese räumliche Verbindung werden beide Gedenkorte wieder in einen gemeinsamen historischen Kontext gestellt und als zusammengehörige Erinnerungslandschaft erfahrbar gemacht.

Das heute stark überformte Areal wird nicht rekonstruiert, sondern durch wenige präzise Setzungen wieder lesbar gemacht.
Mit dem Überschreiten der Schwelle vom Besucherzentrum in das ehemalige Vorlager verändert sich die räumliche Atmosphäre grundlegend. Der eigentliche Lagerraum präsentiert sich als offener und karger Raum. Die Gestaltung orientiert sich bewusst an den historischen Gegebenheiten und vermittelt eine Atmosphäre von Enge, Entbehrung und Entmenschlichung. Die vorhandenen Oberflächen der unterschiedlichen Nutzungsphasen bleiben grundsätzlich erhalten und werden durch gezielte Perforationen für eine geregelte Sukzession geöffnet. Niedrige Gräser und krautige Vegetation etablieren sich und erzeugen ein zurückhaltendes, von Zeitlichkeit geprägtes Landschaftsbild. Die historische Lagerstraße bildet das zentrale Rückgrat der Erschließung. Von ihr aus werden die Stationen über kurze Stichwege erschlossen; die Besuchenden kehren immer wieder auf die Achse zurück. Die Wohnbaracken, die Arrestbaracke, die Entlausungsbaracke, die Sozialstation, die ehemalige Sickermulde sowie weitere historische Orte werden auf diese Weise in ein klares und nachvollziehbares Wegesystem eingebunden. Die Wegegestaltung tritt bewusst in den Hintergrund. Ein Abweichen von Wegen bleibt möglich; damit wird dem historischen Umstand Rechnung getragen, dass innerhalb des Lagers ursprünglich keine ausgebildeten Wege existierten. Die bestehende asphaltierte Stichstraße wird beidseitig zurückgebaut und auf das historische Maß der Lagerstraße reduziert. Die ehemaligen Wohnbaracken werden durch abstrahierte räumliche Markierungen sichtbar gemacht. Stahlplatten markieren die Stirnseiten der Barackenkörper. Dazwischen entwickelt sich eine dichte, dornenreiche Strauchvegetation, die die ehemaligen Gebäudekubaturen als vegetative Volumen nachzeichnet. Die räumliche Rekonstruktion macht die Enge, Dichte und Organisation des ehemaligen Lagers erfahrbar, ohne eine historisierende Nachbildung anzustreben. Ausgewählte Barackenstandorte werden über Stichwege zugänglich gemacht und ermöglichen eine vertiefte Auseinandersetzung mit einzelnen Themenbereichen.
Die innenliegenden historischen Zaunanlagen werden durch weitständig gesetzte quadratische Holzbohlen abstrahiert. Die ehemalige Sickergrube wird zu einem pädagogischen Vermittlungsort entwickelt. Hier können Schulklassen und Gruppen im Rahmen angeleiteter Formate archäologische Arbeitsweisen kennenlernen und sich aktiv mit der Geschichte des Ortes auseinandersetzen. Den südlichsten Punkt bildet das abrupte Ende der Lagerstraße. Die historische Achse setzte sich ursprünglich über eine wesentlich größere Distanz fort. Um die tatsächliche Dimension des ehemaligen Lagerkomplexes räumlich erfahrbar zu machen, wird am Endpunkt eine verspiegelte Wand installiert, welche die Lagerstraße optisch verlängert.
Der Freiraum um die Sozialwerksbaracke ist bewusst menschlicher und durchgrünter gestaltet und verweist auf die andere Zeitschicht nach 1945. Vorhandene Kunstwerke und Erinnerungsobjekte, darunter der Stahlkoloss von Alf Lechner, werden selbstverständlich integriert und als Bestandteil der vielschichtigen Erinnerungskultur in die räumliche Erzählung eingebunden. Der geplante Zaun zur angrenzenden Polizeischule bleibt als Ausdruck der unterschiedlichen Zeitschichten und aktuellen Nachnutzung erhalten. Statt einer Verdeckung erfolgt eine bewusste Einbindung in das Gesamtkonzept. Ein breiter Saum aus Gräsern, Stauden und spontanem Gehölzaufwuchs nimmt die technische Anmutung der Einfriedung zurück. Gleichzeitig führt die räumliche Rekonstruktion der ehemaligen Baracken dazu, dass der Zaun im Hintergrund nicht wahrgenommen wird. Der offene Umgang mit den vorhandenen Überlagerungen macht die historische Entwicklung des Ortes sichtbar und vermeidet eine künstliche Vereinheitlichung seiner Geschichte. Zum Schutz des Gedenkortes wird das Gesamtareal durch eine zurückhaltend gestaltete Einfriedung gesichert, deren Tore sich an den Betriebszeiten des Besucherzentrums orientieren.
Barrierefreiheit und Mobilität
Der gesamte Entwurf ist inklusiv angelegt. Rundgang, Gebäude und Freianlagen sind durchgehend barrierefrei erreichbar. Lagerstraße und Hinweg bilden klare Hauptorientierungen. Schwellen, Belagswechsel und Höhenunterschiede werden so ausgebildet, dass sie räumlich spürbar, aber nicht ausschließend wirken. Die Vermittlungselemente sind mehrsinnig geplant: gut lesbare Texte, taktile Informationen, Audiostationen, einfache Orientierungspunkte und digitale Vertiefungen ermöglichen unterschiedliche Zugänge.
Die Erschließung berücksichtigt unterschiedliche Mobilitätsformen. An den Eingängen vom Lippstädter Weg und vom Emsweg werden insgesamt 40 Stellplätze für Fahrräder und Lastenräder mit E-Bike-Ladeinfrastruktur angeboten. Die Pkw- und Busstellplätze liegen nordöstlich unter einem Baumdach und werden über die Lippstädter Straße angebunden. Vorgesehen sind fünf Busstellplätze und 40 Pkw-Stellplätze (davon fünf barrierefrei) mit teilweiser Ladeinfrastruktur. Barrierefreie Stellplätze sowie zusätzliche Kurzzeitstellplätze an der östlichen Gebäudeseite sichern einen direkten Zugang. Die nördlich angrenzende Fläche wird als Waldpuffer entwickelt und bleibt zugleich Reserve für eine spätere Erweiterung der Besucherstellplätze.
Szenografie und mediale Dramaturgie
Die szenografische Leitidee folgt dem Narrativ des Lagers als Durchgangs- und Verteilstation für den Arbeitseinsatz sowjetischer Kriegsgefangener. Daraus entstehen drei Erfahrungsräume.
Im Bereich „Reflektieren“ werden Herkunft, Wege und Schicksale sichtbar: Ankommen, Registrierung, Verteilung und Weitertransport. Im Neubau, dem Bereich „Verstehen“, erschließt der Prolog die Zusammenhänge des deutschen Angriffskriegs gegen die Sowjetunion – von Krieg, Gefangenschaft und Zwangsarbeit bis zu Flucht, Vertreibung und Nachgeschichte. Im Gelände des ehemaligen Lagers, dem Bereich „Spüren“, folgen die Besuchenden den Spuren der Kriegsgefangenen und später der Geflüchteten und Vertriebenen.
Die Ausstellung im Empfangsgebäude führt emotional und informativ in das Thema ein. Ein offenes Archiv ermöglicht individuelles Erinnern und vertiefende Recherche. Der Ausgang führt unmittelbar zum ehemaligen Lagertor und auf die Lagerstraße. Auf dem Gelände bleiben die Wege grundsätzlich frei; je nach Interesse und Zeit können einzelne Stationen gewählt oder der gesamte Rundgang begangen werden. Die Bestandsbauten tragen jeweils eigene Themen: Entlausung als Ankommen und Entwürdigung, Arrest als Kontrolle und Bestrafung, Sozialwerksbaracke als Nachgeschichte und Neuanfang.
Die Technik tritt hinter den Inhalt zurück. Die Besuchenden sollen Geschichte erleben, nicht Medientechnik bedienen. Medien werden dort eingesetzt, wo sie Erleben und Verstehen unterstützen. Im Prolog schaffen großformatige audiovisuelle Inszenierungen einen atmosphärischen Zugang. Audiovisuelle Zeugnisse, Projektionen und gerichtete Klangräume ermöglichen persönliche Zugänge zu individuellen Geschichten. Digitale Angebote liegen an Orten, die eine längere und ungestörte Auseinandersetzung ermöglichen. Analoge und digitale Vermittlung ergänzen sich, ohne die historische Substanz oder die Inhalte zu überlagern. Die Stelen übernehmen keine klassische Beschilderung, sondern bilden eine zweite, begehbare Erzählebene. Auf dem Hinweg stehen Ankunft, Erfassung, Herkunft und einzelne Biografien im Vordergrund. Auf dem Rückweg werden Außenstellen, Betriebe und Einsatzorte in NRW sichtbar. So wird nicht nur das Lager in der Senne gezeigt, sondern auch seine Ausbreitung in die Gesellschaft. Die Besuchenden verlassen den Ort mit der Frage, wo das Lager überall gemacht wurde und wer daran beteiligt war.
Die drei Ausstellungsebenen bleiben bewusst miteinander verschränkt. Der Prolog im Neubau vermittelt die historischen Zusammenhänge und die notwendige Orientierung. Die Bestandsgebäude tragen die konkreten Themen und behalten ihre Eigenständigkeit als Exponate. Der Außenraum verbindet diese Orte über die Lagerstraße, die abstrakten Barackenspuren, die Sickergrube, das Löschbecken, die Zaunspuren und den Endpunkt der Achse. Dadurch entsteht kein linearer Zwangsrundgang, sondern eine klare Struktur mit freier Vertiefung.
Das Konzept ist auf einen dauerhaften Betrieb ausgelegt. Architektur, Freiraum und Szenografie arbeiten mit robusten, einfachen Mitteln: einem klaren Baukörper, lesbaren Achsen, wenigen Materialien, zurückhaltenden Medien und einer Landschaftspflege, die Sukzession zulässt. Die Gedenkstätte kann damit wachsen, ohne ihren Grundgedanken zu verlieren: Schwelle, Lagerstraße, historische Zeugnisse und die räumliche Erfahrung, dass das Lager nicht an seinem Zaun endete. Auch die Vermittlungsräume im Neubau folgen diesem Prinzip. Foyer, Prolog, offenes Archiv und Multifunktionsbereich können getrennt funktionieren oder für Führungen, Schulklassen, Tagungen, Sonderausstellungen und öffentliche Veranstaltungen zusammengeschaltet werden. Der Übergang vom Prolog zur Lagerstraße ist dabei entscheidend: Die Ausstellung endet nicht im Gebäude, sondern öffnet sich in den Ort. Wissen, räumlicher Eindruck und persönliche Geschichte greifen unmittelbar ineinander. Der Neubau ist eingeschossig, konstruktiv klar und gut erweiterbar. Der Freiraum nutzt vorhandene Strukturen, reduziert Versiegelung und arbeitet mit Bestandsflächen, Sukzession und robusten Materialien. Die Szenografie setzt Medien gezielt ein und vermeidet technische Überfrachtung. So bleibt die Gedenkstätte langfristig weiterentwickelbar.
























