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LGS - Landesgartenschau Duderstadt 2030

Offener Ideen- und Realisierungswettbewerb

Duderstadt

2026

Anerkennung

mit kerck + partner landschaftsarchitekten

Duderstadts vielfältige Freiräume werden zu einer zusammenhängenden Parklandschaft verknüpft. Bestehende Qualitäten werden bewahrt, gestärkt und durch neue Wege, Nutzungen und ökologische Funktionen behutsam weiterentwickelt. So entsteht ein resilienter und wandelbarer Freiraum, der Stadt, Landschaft und Menschen heute und in Zukunft miteinander verbindet.

Duderstadt besitzt mit der historischen Altstadt, den Wallanlagen, dem Stadtpark, dem Bürgerpark und den angrenzenden Landschaftsräumen ein außergewöhnliches Gefüge aus Stadt, Geschichte und Landschaft. Der Entwurf versteht diese unterschiedlichen Räume nicht als voneinander getrennte Orte, sondern als Teile einer zusammenhängenden Parklandschaft.
Ein System aus Wegeschleifen verbindet die bestehenden Freiräume miteinander und macht ihre unterschiedlichen Charaktere erlebbar. Historische Stadträume, offene Wiesen, alte Gehölzbestände, Feuchtbiotope und Wasserläufe werden zu einer vielfältigen Abfolge von Räumen verknüpft. Dabei geht es nicht um eine Vereinheitlichung, sondern um das Sichtbarwerden ihrer jeweiligen Eigenheiten.
Die Parklandschaft wird aus dem Bestand heraus entwickelt. Vorhandene Qualitäten werden gestärkt, neue Nutzungen behutsam ergänzt und ökologische Funktionen weiterentwickelt. So entsteht ein Freiraumsystem, das Raum für Natur, Bewegung, Begegnung und Erholung bietet und zugleich Antworten auf die Herausforderungen des Klimawandels gibt.
Altstadt und Park – gemeinsam gedacht
Die historische Altstadt bildet das urbane Zentrum der Parklandschaft. Von der Marktstraße über den Westerturm und St. Servatius bis zur Basilika besteht ein abwechslungsreicher Rundgang zwischen Fachwerk, Kirchen, Plätzen, Wasser und Grün.
Die Parklandschaft endet dabei nicht an der Grenze zwischen Stadt und Grünraum. Ihre Prinzipien werden in den Stadtraum hineingetragen. Wassersensible Gestaltung, Verschattung, klimaangepasste Vegetation und kleine, kühlende Mikrogärten ergänzen die historischen Stadträume um eine neue, klimaaktive Zeitschicht.
Gleichzeitig führen die Wegeschleifen aus der Stadt hinaus in die angrenzenden Park- und Landschaftsräume. So entsteht ein kontinuierlicher Übergang zwischen urbanem Leben und landschaftlicher Erholung.
Parklandschaft – Bestand stärken und erlebbar machen
Stadt- und Bürgerpark bilden gemeinsam mit den Wallanlagen und den angrenzenden Grünräumen das Rückgrat der neuen Parklandschaft. Die Neugestaltung setzt auf Weiterentwicklung statt flächigen Neuanfang. Wertvolle Gehölze, Wiesen, Feuchtbereiche und gewachsene Strukturen bleiben erhalten. Neue Wege werden weitgehend auf bestehenden oder befestigten Trassen geführt. Entsiegelung, Verschattung, Verdunstung und Wasserrückhalt werden gezielt eingesetzt, um die vorhandenen Freiräume klimaresilient weiterzuentwickeln. Ein einheitliches Material- und Ausstattungskonzept verbindet die unterschiedlichen Teilräume, ohne ihre Eigenständigkeit aufzugeben.
Im Zentrum des Stadtparks liegt das Feuchtbiotop. Ein behutsam geführter Steg und ausgewählte Aussichtspunkte ermöglichen Naturbeobachtung, ohne den sensiblen Lebensraum zu beeinträchtigen. Wasser, Feuchtwiesen und Vegetation werden als zusammenhängendes Ökosystem erlebbar.
Im westlichen Bereich entsteht der Spiel- und Bewegungsbereich. Die Elemente des bestehenden Tabaluga-Spielplatzes werden als fantasievoller Ort für Kinder neu arrangiert und durch Angebote für Jugendliche und Erwachsene ergänzt. Bolzplatz, Streetball, Calisthenics und Fitnessangebote schaffen einen vielfältigen Bewegungsraum. Der Park wird damit zum Ort für unterschiedliche Generationen und unterschiedliche Formen der Aneignung.
Die große Festwiese bleibt als offene, multifunktionale Fläche erhalten. Eine fest installierte Bühne mit Wetterschutz bildet ihren Mittelpunkt und kann zugleich als Unterstand dienen. Die Wiese bietet Raum für Feste, Märkte, Aufführungen und Veranstaltungen, während sie außerhalb dieser Zeiten als frei nutzbare Parkfläche offen bleibt. Eine temporäre Zugangskontrolle nach Süden sichert bei Veranstaltungen eine geordnete Nutzung.
Das nördliche Stadtwäldchen bewahrt seine gewachsenen Gehölzstrukturen. Natürliche Sukzessionsprozesse werden als Teil der Parkentwicklung zugelassen und mit ruhigen Aufenthalts-, Erholungs- und Bewegungsangeboten ergänzt. Hängemattenwäldchen und Seniorensport schaffen beispielsweise neue Möglichkeiten der Nutzung. Gleichzeitig bleibt dieser Bereich bewusst unfertig und wandelbar. Er bietet Raum für zukünftige Anforderungen, veränderte Nutzungsgewohnheiten und neue Formen der Aneignung.
Im Bürgerpark führt die Parkschleife durch Wiesen und Feuchtbereiche. Der östliche Eingang wird aufgewertet, Richtung Kriegerdenkmal wird ein naturnah gestalteter Kleinkindspielbereich ergänzt. Spiel und Aufenthalt werden selbstverständlich in die Parklandschaft eingebettet und schaffen einen niedrigschwelligen Ort für Familien, ohne den offenen und naturnahen Charakter des Bürgerparks zu überformen.

Der Entwurf verbindet die unterschiedlichen Freiräume Duderstadts zu einem gemeinsamen System. Nicht ein einzelnes Element steht im Mittelpunkt, sondern ihr Zusammenspiel

Durchblick – Ein neues Gelenk zwischen den Parks
Die Verbindung zwischen Stadtpark und Bürgerpark bildet einen besonderen räumlichen Moment. Durch die Öffnung des Walls werden die beiden Parkbereiche unmittelbar miteinander verbunden, es entsteht eine neue und klare Blick- und Wegebeziehung.
Zwei bogenförmige, konvex gewölbte Mauerscheiben aus oberflächenstrukturierten, veredelten Stahlplatten fassen den Einschnitt und markieren ihn als eigenständige zeitgenössische Zeitschicht im historischen Wall. Ein filigraner, zylindrischer Aussichtsturm aus Holz und transparentem Edelstahlseilnetz ergänzt das Ensemble. Eine innenliegende Wendeltreppe verbindet Parkschleife und Wallweg. Der Aufstieg führt zu einer Aussichtsplattform und eröffnet neue Perspektiven über Park, Stadt und Landschaft. Der Ort wird damit nicht nur zur Querung, sondern zu einem kleinen Landschaftserlebnis aus Durchblick, Aufstieg und Aussicht.
Der Einschnitt wird in das Hochwasserschutzkonzept integriert und auf die Höhe des HQ100 ausgebildet. Der Wall bleibt damit wirksame Schutzlinie und wird zugleich zum verbindenden Landschaftselement.
Wasser als verbindendes Element
Neben dem Grünen Ring bildet das Wasser ein zweites verbindendes System. Brehme, Sandwasser, Hartmannkanal, Feuchtbereiche und Obertorteich werden als zusammenhängendes blaues Netz weiterentwickelt. Naturnahe Ufer und standortgerechte Vegetation stärken die ökologische Funktion der Gewässer. Gleichzeitig wird Wasser als unmittelbares Erlebnis sichtbar und zugänglich gemacht.
Am Obertorteich führen Sitzstufen zum Wasser. Terrassen am Steg schaffen Orte für Beobachtung und Aufenthalt, eine Furt ermöglicht spielerischen Zugang. Schwimmende Gärten setzen saisonale Akzente. Während der Landesgartenschau kann ein Tretbootverleih das Wasser zusätzlich als Erlebnisraum aktivieren. Auch der Hartmannkanal wird stärker Teil des öffentlichen Freiraums. Durch seine Renaturierung und neue Aufenthaltsplattformen erweitert sich der Bürgerpark weiter nach Westen.
Aus einzelnen Gewässern entsteht so ein blaues Rückgrat, das die verschiedenen Parkräume ökologisch und räumlich miteinander verbindet.
Der Wall – vom Verteidigungsring zum grünen Verbindungsraum
Der Wall wird als prägendes Gartendenkmal bewahrt und zugleich wieder stärker als öffentlicher Landschaftsraum erfahrbar gemacht. Der Wallweg folgt der Topografie und eröffnet immer wieder neue Blicke auf Altstadt, Park und Landschaft. Rampen, Treppen und die neuen Wallbalkone machen die besondere Geländemodellierung unmittelbar erlebbar. Bastionen werden eingebunden, Böschungen wo möglich freigestellt und historische Raumkanten wieder lesbar gemacht.
An den Querungen von Steintor- und Bahnhofstraße erhält der Wallweg durch eine einheitliche Gestaltung eine klare Priorität. Die unterschiedlichen Antritte in die Stadt werden zu einem zusammengehörigen System von Stadteingängen entwickelt. Wiederkehrende Materialien und Elemente schaffen Identität, ohne die einzelnen Orte ihrer Eigenständigkeit zu berauben. An der Steintorstraße weicht der bestehende Kiosk einem neuen Treffpunkt am Hartmannkanal mit Kiosk, Außenbestuhlung und Sitzstufen. An der Bahnhofstraße werden befestigte Flächen entsiegelt, die bestehenden Kunstobjekte erhalten einen angemessenen Rahmen.
Die sechseckige Bastion wird zu einem besonderen Aufenthalts- und Aussichtsort. Staudenbänder, Sitzangebote und große Schaukeln machen den historischen Ort zu einem offenen Treffpunkt.
Entlang des Hartmannkanals führt ein mäandrierender Weg am Fuß des Walls. Punktuelle Bewegungs- und Aufenthaltsangebote verbinden sich hier zu einem niederschwelligen Trimm-dich- und Spazierweg.
Der Wall bleibt damit ein wichtiger historischer Bestandteil der Parklandschaft – seine Rolle liegt jedoch weniger in der Abgrenzung als in der Vermittlung zwischen den unterschiedlichen Stadt- und Landschaftsräumen.

Durch die Öffnung des Walls werden die beiden Parkbereiche unmittelbar miteinander verbunden, es entsteht eine neue und klare Blick- und Wegebeziehung

Robust, klimaresilient und pflegegerecht
Intensiv genutzte Bereiche werden gezielt gepflegt, während Wiesen, Gehölze und Säume extensiv entwickelt werden. Robuste Materialien und eine reduzierte Ausstattung sorgen für eine hohe Dauerhaftigkeit und einen angemessenen Pflegeaufwand.
Dabei folgt die Gestaltung einem differenzierten Prinzip: Klar definierte und intensiv nutzbare Räume stehen bewusst offenen, extensiv geprägten Landschaftsräumen gegenüber. So entsteht ein abwechslungsreiches Gefüge unterschiedlicher Atmosphären, Nutzungsintensitäten und Pflegebilder. Die Vielfalt der Räume wird dabei nicht als Gegensatz, sondern als wesentliche Qualität der Parklandschaft verstanden.
Gartenschau als Auftakt – Park für 2030 und danach
Die Landesgartenschau wird als Impuls für eine langfristige Entwicklung der Duderstädter Freiräume verstanden. Die dauerhafte Grundstruktur wird bereits für 2030 geschaffen: Wegeschleifen, Parkräume, Wasserlandschaften, Spiel- und Bewegungsangebote sowie Aufenthaltsorte bilden das robuste Gerüst. Temporäre Ausstellungsgärten, Wechselflor, Gastronomie und Veranstaltungen lagern sich daran an und erzeugen für die Gartenschau eine besondere Atmosphäre. Die neuen Parkschleifen bieten dafür Orientierung und führen die BesucherInnen während der Landesgartenschau durch die unterschiedlichen Ausstellungs- und Erlebnisräume.
Nach 2030 können temporäre Elemente zurückgebaut oder verändert werden. Die wesentlichen Qualitäten bleiben bestehen: die Wege, die Parks, die Wasserlandschaften, die Spiel- und Bewegungsräume und die Verbindung von Stadt und Landschaft.
Die Gartenschau wird damit nicht zum fertigen Endzustand, sondern zum Beginn einer langfristigen Entwicklung.
Eine Parklandschaft für Duderstadt
Der Entwurf verbindet die unterschiedlichen Freiräume Duderstadts zu einem gemeinsamen System. Nicht ein einzelnes Element steht im Mittelpunkt, sondern ihr Zusammenspiel.
Die Altstadt bildet das urbane Zentrum. Die Parks schaffen Räume für Erholung und Begegnung. Das Wasser verbindet die Landschaft ökologisch und räumlich. Die Wallanlagen bewahren die historische Identität. Die Wegeschleifen machen das gesamte System zugänglich und erlebbar. Aus vielen einzelnen Orten entsteht eine zusammenhängende Parklandschaft. Sie bewahrt, was Duderstadt auszeichnet, stärkt seine ökologischen Qualitäten und schafft gleichzeitig Raum für neue Nutzungen und zukünftige Entwicklungen.

© OTTL.LA

Landschaftsarchitekten

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