DAN - Entwicklung Doornkaat-Gelände in Norden
Freiraumplanerischer und städtebaulicher
Realisierungswettbewerb
Norden
2026
Teilnahme
mit Studiomauer
Leitidee und stadträumliches Konzept
Das Doornkaat-Areal bietet die einzigartige Chance, einen ehemals industriell geprägten Stadtbaustein in ein lebendiges, identitätsstarkes und durchmischtes Quartier mit hoher freiräumlicher Qualität zu transformieren. Der Entwurf verfolgt das Ziel, eine neue Zentralität und Anlaufstelle zu entwickeln, die als selbstverständlich ablesbares Bindeglied zwischen Innenstadt, Norder Tief und den angrenzenden Nutzungen wirkt und das Areal dauerhaft in den Stadtraum von Norden integriert.
Der Freiraum wird dabei als tragende Struktur der Quartiersentwicklung verstanden. Er bildet das räumliche Grundgerüst, das die unterschiedlichen Nutzungen zusammenführt und in ein zusammenhängendes, klar lesbares Freiraumsystem überführt. Durch eine prägnante Formensprache, eine klare räumliche Ordnung sowie die bewusste Abfolge urbaner und landschaftlicher Situationen entsteht ein vielschichtiges, aber gleichzeitig ruhiges und kohärentes Gesamtbild.
Ein zentrales Gestaltungsmotiv bilden abgerundete und frei fließende Geometrien, die sich als wiederkehrendes Prinzip durch das gesamte Quartier ziehen. Sie erzeugen Identität und Wiedererkennbarkeit, Eigenständigkeit und Markanz und ermöglichen gleichzeitig weiche Übergänge zwischen Platz, Bewegung, Grünraum und Wasser. So entsteht ein eng verwobenes Freiraumgefüge, das unterschiedliche Atmosphären miteinander verbindet, ohne sie gegeneinander abzugrenzen.
Stadtplatz als multifunktionale Mitte
Im Zentrum des Entwurfs steht der neue Stadtplatz als prägnante und identitätsstiftende Mitte des Doornkaat-Quartiers. Er wird als großzügige, klar gefasste und dennoch offen bespielbare Freifläche ausgebildet, die dem Ort einen deutlichen städtebaulichen Schwerpunkt verleiht und gleichzeitig maximale Nutzungsflexibilität bietet.
Der Platz übernimmt sowohl im Alltag als auch bei besonderen Anlässen eine zentrale Rolle. Im täglichen Gebrauch dient er als Aufenthalts- und Begegnungsraum für unterschiedliche Nutzergruppen. Außengastronomische Angebote tragen zur Belebung bei und schaffen eine hohe Aufenthaltsqualität. Für Veranstaltungen – wie beispielsweise Open-Air-Formate im Kontext des Doornkaat-Areals – steht eine großzügige, zusammenhängende Fläche zur Verfügung.
Ein zentrales Element bildet die topografisch ausformulierte Grüninsel, die den Platz strukturiert. Sie wirkt klimatisch ausgleichend durch Verschattung und Verdunstung, verbessert die Biodiversität und übernimmt gleichzeitig Funktionen der Regenwasserrückhaltung. Ihre modellierte Topografie schafft zudem eine räumliche Pufferzone zu angrenzenden Nutzungen wie dem Wendehammer und dem Polizeigelände und bietet darüber hinaus ein informell nutzbares Spielelement mit hoher Aufenthaltsqualität.
Das spielerische Fontänenfeld ergänzt den Platz als prägendes atmosphärisches Element. Durch Verdunstungskühlung trägt es wesentlich zur Verbesserung des Mikroklimas bei und steigert insbesondere in den Sommermonaten die Aufenthaltsqualität. Gleichzeitig bleibt es flexibel nutzbar und kann bei Veranstaltungen temporär deaktiviert und überbaut werden.
Locker verteilte Klimabäume strukturieren den Platz, spenden Schatten und tragen zur atmosphärischen Qualität bei. In Kombination mit vielfältigen Sitzangeboten entstehen differenzierte Aufenthaltsbereiche mit unterschiedlichen Qualitäten – von belebten Zonen bis hin zu ruhigeren Rückzugsorten.
Am südlichen Rand entsteht ein bewusst gefasster, ruhiger Aufenthaltsbereich, der sich vom zentralen Geschehen leicht absetzt. Eine grüne Fassung zum angrenzenden privaten Grundstück schafft einen geschützten Raum mit direktem Blickbezug zum Platzgeschehen. Integrierte Fahrradstellplätze ergänzen die Funktionalität.
Unser Entwurf entwickelt das Doornkaat-Gelände zu einem vielschichtigen, identitätsstarken und zukunftsfähigen Quartier, das Stadt, Landschaft und Wasserraum eng miteinander verknüpft.

Städtebauliche Entwicklung
Im Mittelpunkt der städtebaulichen Ergänzungen steht die Entwicklung eines urbanen Quartiers mit gemischten Nutzungen aus Wohnen, Arbeiten, Kultur und Gastronomie. Diese Nutzungsmischung sowie aktivierte Erdgeschosszonen entlang zentraler Wege und Plätze sorgen für eine durchgängige Belebung und soziale Interaktion. Ein prägendes Element ist dabei der sensible Umgang mit den denkmalgeschützten Bestandsgebäuden der ehemaligen Kornbrennerei. Diese bleiben in ihrer Struktur erhalten, werden saniert und durch neue Nutzungen wie Hotel, Kultur und Veranstaltungen aktiviert. Ergänzende Neubauten orientieren sich in Maßstab, Materialität und Dachform an der lokalen Bauweise.
Zentraler Baustein ist die Fassung des neuen Stadtplatzes, der von Bestandsgebäuden und Neubauten gerahmt wird und als identitätsstiftender Aufenthaltsort dient. Angrenzend entstehen vielfältige Wohnformen sowie publikumsorientierte Nutzungen in den Erdgeschossen. Eine Markthalle ergänzt das Ensemble als multifunktionaler Anziehungspunkt und interpretiert die regionale Bautradition zeitgemäß.
Im Norden bildet eine Parkgarage den Übergang zum Gewerbegebiet und übernimmt zugleich eine abschirmende Funktion. Ihre Gestaltung wird durch Begrünung und architektonische Elemente in das Gesamtbild integriert. Die Verwaltungsgebäude am neuen Weg erhalten eine Aufwertung und die markante Ecke zur Doornkaat-Straße wird durch einen Ergänzungsbau gefasst. Insgesamt wird die Umgebung der Brennerei freigestellt und durchlässiger, sodass das Doornkaat-Ensemble als Einheit wahrgenommen werden kann.
Wegebeziehungen und Erschließung
Der Stadtplatz bildet den zentralen Knotenpunkt des Wegenetzes und strukturiert die Bewegungsflüsse im Quartier. Fußläufige Verbindungen werden klar, direkt und barrierearm geführt und ermöglichen eine intuitive Orientierung innerhalb des gesamten Areals. Sichtachsen, beispielsweise zum Brennereiensemble und zum Sportbereich am Norder Tief, werden gezielt inszeniert und von Bebauung freigehalten, um die räumliche Orientierung zu unterstützen und die Wahrnehmung des Ortes zu stärken.
Die Verbindung zwischen Innenstadt (Neuer Weg), den Lohen und dem Norder Tief wird als durchgängige Raumsequenz verstanden, die selbstverständlich über den Stadtplatz hinweg bis zum Wasser führt. Dabei bilden die linearen Gassen eine klare städtebauliche Achse, die auch den Lieferverkehr aufnimmt, ohne die Aufenthaltsqualität zu beeinträchtigen. Gestalterisch wird diese Linearität durch Baumreihen und präzise Raumkanten gefasst. Im Übergang zum übrigen Quartier löst sich diese Strenge bewusst auf und geht in eine weichere, landschaftliche Struktur über, die den Charakter des Freiraums betont. Die öffentlichen Parkierungsflächen aus dem Bestand werden konsequent in den Mobilitätshub integriert um die Suchverkehre zu minimieren.
Der Radverkehr wird gezielt gestärkt, insbesondere durch die neue Fuß- und Radwegverbindung aus nördlicher Richtung über die Brücke am Norder Tief. Ergänzende Fahrradabstellanlagen sind entlang der Hauptachsen in ausreichender Stückzahl integriert.
Die bestehende Anlieferung des Heizwerks bleibt funktional erhalten und wird so in die Gestaltung eingebunden, dass sie im Stadtraum kaum in Erscheinung tritt.
Zugang zum Wasser
Die Ufergestaltung erfolgt bewusst zurückhaltend und erhält gezielt einzelne Elemente der bestehenden Vegetation. Gezielt werden Uferabschnitte zugänglich gemacht, während große Teile des Ufers offen, aber vegetativ gestaltet sind. So wird die Landschaftlichkeit des Ufers geschützt und gleichzeitig erlebbar gemacht.
Die zurückhaltende Sitzstufenanlage ermöglicht den direkten Aufenthalt am Wasser und eröffnet vielfältige Blickbeziehungen in die Wasser-Landschaft. Der Ort lädt gleichermaßen zum ruhigen Verweilen wie zur aktiven Aneignung durch Wassersport ein. Ein vorgelagertes Holzponton erweitert den Erlebnisraum bis ins Wasser und schafft in Verbindung mit dem angrenzenden Café zusätzliche Nutzungen im Bereich Freizeit und Wassersport. Holzauflagen auf den Stufen und die Südausrichtung, sowie die gut einsehbare, öffentliche Lage direkt an der Brücke machen den Ort zu einem Treffpunkt am Wasser.
Eine integrierte Rampe stellt die Zugänglichkeit für Pflege- und Unterhaltungsfahrzeuge sicher und gewährleistet die langfristige Funktionsfähigkeit des Bereichs
Sport- und Aktivbereich
Der Sportbereich wird als zusammenhängender, offener Bewegungsraum entwickelt, der unterschiedliche Altersgruppen anspricht und vielfältige Nutzungen ermöglicht. Ziel ist ein niedrigschwelliges, flexibel nutzbares und adaptives Angebot für informelle Sport- und Freizeitaktivitäten.

Das neue Quartier verbindet industrielle Geschichte mit zeitgemäßer Freiraumqualität und macht das Norder Tief zu einem zentralen identitätsstiftenden Element des Ortes
Skateanlage, Streetballfeld und Calisthenics-Angebot bilden Nutzungsanker, die das Areal um den Kletterturm zu einem lebendigen sozialen Treffpunkt entwickeln. Die einzelnen Elemente sind so angeordnet, dass sie in räumlicher Beziehung zueinander stehen und ein dynamisches, kommunikationsförderndes Umfeld erzeugen. Ein besonderes identitätsstiftendes Element ist die Umnutzung des bestehenden Kühlturms zu einem Kletterturm. Dieses industrielle Relikt wird bewusst in die Gestaltung integriert und verleiht dem Ort eine unverwechselbare Prägung.
Im Übergang zum Norder Tief entsteht ein Café im Bestandsbau mit Außengastronomie, die eine lebendige Schnittstelle zwischen Sport, Aktion und Wasser bildet. Das Sportareal wird als expressiver Ort entwickelt, der sich selbstbewusst als Bindeglied in der Erschließung des Norden Tiefs versteht.
Klimawald
Als grüner Rücken zur Straße „Im Horst“ und zum angrenzenden Polizeigelände wird ein Klimawald entwickelt, der ökologische, klimatische und freiräumliche Funktionen miteinander verbindet. Bestandteile der vorhandenen Vegetation werden erhalten, durch Neupflanzungen ergänzt und in das Konzept integriert. Geschwungene Wegeführungen schaffen einen Kontrast zur klaren Struktur des Stadtplatzes und führen durch einen landschaftlichen, atmosphärisch dichten Freiraum. Innerhalb des Waldes entstehen Spiel- und Aufenthaltsbereiche, deren Gestaltung das Motiv von Treibholz als skulpturale, bespielbare Landschaftselemente aufgreift. Kletterwald, Abenteuerspielplatz und Spielangebote für Kleinkinder machen das Areal auch zum Anlaufpunkt von Familien. Ergänzend werden Flächen für Urban Gardening vorgesehen, die eine aktive Aneignung durch die Nutzenden ermöglichen und soziale Interaktion fördern. Zwei gezielt gesetzte Aussichtspunkte eröffnen neue Blickbeziehungen zum Norder Tief und stärken die Wahrnehmung des Wassers im Quartier.
Regenwassermanagement
Das Regenwassermanagement ist integraler Bestandteil des Entwurfs und folgt dem Prinzip der wassersensiblen Stadtentwicklung. Ein unterirdisches Rigolen-System ermöglicht die Speicherung und verzögerte Ableitung von Niederschlagswasser aus Platz- und Dachflächen. Ergänzend wird am Norder Tief ein Regenrückhaltebecken als landschaftlicher Teichverbund entwickelt, der sowohl technische als auch ökologische Funktionen übernimmt und die Themen des Niederschlagsmanagements als ästhetisch wertvollen Raumbezug wahrnehmbar macht. Wasser wird dabei nicht ausschließlich technisch verstanden, sondern als gestaltprägendes Element in den Freiraum integriert und erlebbar gemacht.
Materialität, Ausstattung und Beleuchtung
Die Materialwahl orientiert sich an den Anforderungen an Robustheit, Langlebigkeit und gestalterischer Klarheit. Eine reduzierte, funktionale Ausstattung wird mit hochwertigen Materialien kombiniert. Im Vordergrund steht dabei Langlebigkeit, gute Reparierbarkeit und Wertigkeit.
Ein prägendes Gestaltungselement ist die Verwendung von rötlichen Farbtönen, die sich an der regionaltypischen Klinkerarchitektur orientieren und eine identitätsstiftende Verbindung zur lokalen Baukultur herstellen. Ergänzend wird eine durchgängige Material- und Gestaltungssprache entwickelt, die sich über den gesamten Quartiersraum erstreckt und auch angrenzende Verkehrsflächen umfasst. So werden insbesondere der Wendehammer bis zum Kreisverkehr sowie die Zufahrt zum HUB gestalterisch in das Gesamtkonzept integriert. Durch die Verwendung einheitlicher Beläge und Materialien entsteht ein zusammenhängendes Quartiersbild ohne harte Brüche zwischen Freiraum und Erschließungsflächen. Besonders akzentuiert werden Sportareal und der kreisrunde Platzbereich. In Terrazzoasphalt werden Bruchstücke des Bestandsklinkers eingearbeitet und zu einer hochwertigen Oberfläche aufgearbeitet.
Die Ausstattung ist bewusst zurückhaltend und funktional gehalten. Gleichzeitig wird durch gezielte Akzentuierung, beispielsweise durch Leuchtstelen, eine atmosphärische Beleuchtung geschaffen. Die Lichtplanung folgt dem Prinzip der Reduktion: Beleuchtet werden primär Hauptwege und intensiv genutzte Bereiche, um eine sichere Nutzung in den Abendstunden zu gewährleisten und gleichzeitig Lichtverschmutzung zu minimieren.
Der Weg zum Wasser
Der Entwurf entwickelt das Doornkaat-Gelände zu einem vielschichtigen, identitätsstarken und zukunftsfähigen Quartier, das Stadt, Landschaft und Wasserraum eng miteinander verknüpft. Eine klare stadträumliche Struktur, differenzierte Freiraumtypen und ein hoher ökologischer Anspruch greifen ineinander und schaffen einen robusten, flexibel nutzbaren und atmosphärisch dichten Stadtraum.
Das neue Quartier verbindet industrielle Geschichte mit zeitgemäßer Freiraumqualität und macht das Norder Tief zu einem zentralen identitätsstiftenden Element des Ortes. So entsteht ein lebendiger Stadtraum, der langfristig zur nachhaltigen Entwicklung der Stadt Norden beiträgt.









