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BWA - Neugestaltung des Bahnhofsvorplatz und der Wettinerstraße in Altenburg

Freiraum- und verkehrsanlagenplanerischer
Realisierungswettbewerb

Altenburg

2026

Anerkennung

mit shp Verkerhsplanung

Die Neugestaltung des Bahnhofsumfelds und der angrenzenden Wettinerstraße bietet die Chance,
das „Eingangstor“ der Stadt Altenburg als zeitgemäßen, repräsentativen Ankunftsort zu definieren.
Ziel des Entwurfs ist es daher, einen durchgrünten, einladenden Stadtraum zu schaffen, der die
denkmalgeschützte Bahnhofsfassade würdigt und gleichzeitig als klimaresilienter Auftakt für die
Innenstadt fungiert.
Der Bahnhofsvorplatz wird dabei von Gebäudefassade zu Gebäudefassade als zusammenhän-
gender, großzügiger öffentlicher Raum begriffen, der als urbanes Gegenüber zum historischen Be-
stand fungiert. Ein zentrales Element des Entwurfs ist zudem die Transformation der Wettinerstra-
ße zur Klimastraße: Durch die Wiederherstellung des historischen Alleecharakters mit beidseitigen
Baumreihen und die Fassung durch Verdunstungsbeete mit Staudenpflanzungen entsteht eine kla-
re, ungestörte Sichtachse auf das Lindenau-Museum, die an heißen Tagen Schatten spendet und
bei Starkregen als Schwamm fungiert.
Gestaltung, Nutzungsverteilung und Aufenthaltsqualität
Der Bahnhofsplatz wird zu einem urban-grünen Shared Space transformiert, der Mobilität, Aufent-
halt und ökologische Funktionen in einem zukunftsfähigen Gesamtraum vereint. Durch die Redu-
zierung der Oberflächenmaterialien wirkt der Raum unaufgeregt, aufgeräumt und zusammengehö-
rig. Vor dem historischen Bahnhofsgebäude akzentuiert die „Altenburger Wasserlinse“ – ein Was-
serfontänenfeld mit seichtem Wasserspiegel – die Mitte des Platzes, schafft eine hohe Aufent-
haltsqualität und fügt sich elegant in das Platzgefüge ein, ohne die Hauptbewegungsströme zu un-
terbrechen. Die Außengastronomie (Pizzeria, Altenburger Döner) sowie ein neuer Kiosk beleben
zudem die Platzränder. Neue, baumüberstandene Aufenthaltsinseln mit Sitzgelegenheiten bilden
Treffpunkte zwischen Ein- und Umstieg. Dabei stellen Baumarten mit hohen, lichten Kronenansät-
zen sicher, dass der freie Blick auf die Fassaden stets gewahrt bleibt und Besuchende sich weiter-
hin gut im Raum orientieren können. Die Gehölzgruppen auf der Platzfläche ermöglichen dabei
auch zukünftig die Nutzung des Raums - durch schattige, kühlende Aufenthaltsräume, die dennoch
Platz für Veranstaltungen bieten.
Ein weiterer Fokus des Entwurfs liegt auf dem Abbau von Angsträumen. So werden die Bereiche
am westlichen Eingang der Personenunterführung (vor dem Bahnhofs-Center) räumlich geöffnet
und besser einsehbar gestaltet. Eine stimmige Lichtführung und gezielte Möblierung werten diesen
Bereich gestalterisch auf und betonen den verbindenden Charakter. Die Unterführung selbst bleibt
als unterirdische Verbindung zu den Gleisen erhalten. Der Übergang vom Platz zum ZOB wird
durch eine Treppenanlage in direkter Verbindung attraktiv formuliert; begleitende Grün- und Sitz-
flächen laden hier zum Verweilen ein. Die fließenden Grünflächen auf der Westseite des Platzes
verbinden sich zu einem durchlässigen Parkgefüge und bilden die Grüne Seite des Platzes aus.
Hier finden sich diverse Aufenthaltsbereiche, direkte Wegeverbindungen und kleine Spielorte in-
nerhalb der Rasenflächen.

Der Bahnhofsplatz wird zu einem urban-grünen Shared Space transformiert, der Mobilität, Aufent-
halt und ökologische Funktionen in einem zukunftsfähigen Gesamtraum vereint

Erschließung und Verkehr
Als moderne Mobilitätsdrehscheibe priorisiert der Entwurf klar den Umweltverbund. Der durchge-
hende Belag des Shared Spaces wird von Fußgänger:innen, Radfahrenden und dem Kfz-Verkehr
gleichberechtigt genutzt. Für den Radverkehr wird die durchgängige, sichere „Stadtmagistrale“,
welche die Radwege der Offenburger Allee im Norden schlüssig mit der Gabelentzstraße im Süden
verknüpft an dieser Stelle aufgeweitet. Die Route wird über den Platz geführt, auf dem alle Ver-
kehrsbeiteiligten die Geschwindigkeit reduzieren. Ziel der Materialwahl und Gestaltung ist es hier,
dass sich MIV, Busse und Radfahrende als Gäste auf der Fläche begreifen, Geschwindigkeit redu-
zieren und Rücksicht aufeinander nehmen. So entsteht ein Raum der größere Aufmerksamkeit
fordert und eine sichere Durchquerung und Überschneidung der Verkehrsströme unterstützt. Zu-
dem wird er dem Charakter als Start- und Zielort in der Stadt gerecht. Ein neues Fahrradparkhaus
im Süden, eine überdachte Fahrradstellfläche im Norden, sowie 20 witterungsgeschützte Fahrrad-
stellplätze und eine ausreichend dimensionierte E-Scooter-Fläche ergänzen das Angebot.
Die verkehrliche Neuordnung der Busse erfolgt effizient im Norden des Platzes, um eine optimale
Achse und Verteilerfunktion zwischen ZOB und Bahnhof ohne Umwege zu schaffen. Ein dritter
Halt für den Schienenersatz- und Reisebusverkehr wird im Süden positioniert. Ebenfalls am südlichen Platzrand befinden sich die Taxistellplätze, sowie übersichtliche und unmittelbar anfahrbare
Kiss-&-Ride-Zonen.
Eine durchgängige Barrierefreiheit ist von den Zuwegen der Bahnsteige, inklusive der neuen bar-
rierefreien Rampe über den gesamten Platz bis in die Wettinerstraße stufenlos gewährleistet. Die
Wahl der Bodenbeläge und die schwellenlose Ausführung des Shared Space unterstützen die Zu-
gänglichkeit für alle.
Die Wettinerstraße erfährt eine zurückhaltende und klare Umgestaltung als Erschließungsstraße.
Radstreifen auf dem Asphalt unterstreichen die sichere Stadtmagistrale und schaffen Verkehrs-
räume mit ausreichend Abstand zu den auf der westlichen Seite angesiedelten Parkierungsflä-
chen. Die neuen P+R-Stellplätze im Norden und Süden bieten ausreichend Platz, sind separat an-
fahrbar und beide mit Wendeschleifen ausgestattet um Rangierverkehr zu minimieren. In Rasengit-
terstein ausgeführt und Baumüberstanden leisten sie einen Beitrag zu dem Themen Schwamm-
stadt, Hitzereduzierung und Biodiversität.
Klimaanpassung und Nachhaltigkeit
Der derzeit stark versiegelte Vorplatz erfährt eine konsequente Wende hin zu einer klimaresilienten
Freifläche. Die Förderung der städtischen Biodiversität, sowie die Schaffung von resilienten, klima-
sensitiven Begegnungsorten steht dabei im Vordergrund.
Die Klimabäume und Verdunstungsbeete in der Wettinerstraße dienen der Biotopvernetzungen;
Artenreiche Wiesen- und Staudenflächen in „Biodiversitätsbändern“, Insekten- und Vogelhabitate
sowie Totholzelemente in den Retentionsmulden bieten Lebensräume für zahlreiche Arten. Gräser
und Stauden in den Verdunstungsbändern sind trockenheitsresistent und feuchtigkeitsverträglich
zugleich. Die enge Verzahnung von Vegetation und Aufenthaltsbereichen, sowie das Wasserspiel
mit den Fontänen erzeugt einen natürlichen Kühlungseffekt durch Verdunstung zur Reduktion ur-
baner Hitzeinseln.

Kann man sich diesen Platz in 30 Jahren ohne Bäume Vorstellen?

Entwässerung und Regenwassermanagement
Dem Schwammstadtprinzip folgend wird das Niederschlagswasser vollständig vor Ort auf der
Platzfläche und im Straßenbereich zurückgehalten, zwischengespeichert und versickert. Zentraler
Baustein ist eine wassersensible Kombination aus durchlässigen, drainfähigen Oberflächen, ober-
irdischem Rückhalt in Rasenmulden und Verdunstungsbeeten sowie unterirdischen Rigolen und
Baumrigolen, die Regenwasser gezielt aufnehmen und kontrolliert abgeben. Durch die teils offene
Gestaltung dieser Retentionsmaßnahmen wird der Umgang mit Niederschlag und Starkregener-
eignissen visualisiert und für die Bewohnenden im städtischen Raum erfahrbar gemacht.
Verwendete Materialien und Pflanzenverwendung
Die Materialität des Entwurfs ist robust, regional und langlebig. Ein beigefarbener, changierender
Betonstein im Mehrstein-Reihenverband bildet mit seiner Drainfuge den barrierefreien Grundtep-
pich des Shared Spaces. Die Wasserlinse und die Bodenintarsien an den Grünflächen heben sich
durch kleinteiliges Natursteinpflaster ab und setzen subtile Akzente. In den Grünbereichen kom-
men wassergebundene Wegedecken zum Einsatz, die im städtischen Kontext selbstverständlich
und zeitlos wirken.
Sitzbänke und Podeste sind flexibel, wartungsarm und leicht zu reparieren. Das Beleuchtungskon-
zept erhält die historischen Lampen am Gebäude, sowie bestehende LED-Leuchten, ergänzt
durch neue, intelligente Leuchtstelen. Lichtverschmutzung wird durch eine bewusste Beschrän-
kung auf die Haupterschließungswege, trotz Herstellung von Verkehrssicherheit, vermieden.
Das Pflanzkonzept setzt auf klimaresiliente Arten: Auf den Grünflächen des Platzes verteilen sich
freie Pflanzungen von Ahornen (Acer spec.), Winterlinden (Tilia cordata), Amerikanischen Amber-
bäumen (Liquidambar styraciflua) und Eichen (Quercus spec.), die den Bestand ergänzen. Die his-
torische „Klimastraße“ der Wettinerstraße wird durch Gleditschien (Gleditsia triacanthos) und Feld-
ahorn (Acer campestre) gebildet, deren lichte Kronen eine gute Übersichtlichkeit gewähren. Diese
Gehölzstrukturen streuen sich spielerisch bis auf den Bahnhofsplatz durch und verweben die
Räume optisch miteinander.
Umsetzbarkeit im Rahmen der Landesgartenschau
Die Realisierbarkeit trotz enger Zeitschiene erfordert im Vorhinein eine Präzisierung und Hierachi-
sierung der Teilräume. Ziel muss es sein zur Landesgartenschau einen einladenden Empfangs-
und Verteilort für Besuchende zu bieten, der die Funktionen eines modernen Verkehrsknotens er-
füllt. Der Fokus liegt dabei klar auf der Östlichen Platzfläche mit Wasserlinse und dem Shared
Space, sowie der Buserschließung.

© OTTL.LA

Landschaftsarchitekten

Schöberl Hövelmann PartG mbB

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