BAS - Neugestaltung des Bibliotheksumfelds Schorndorf
freiraumplanerischer Realisierungswettbewerb
Schorndorf
2026
3. Platz
mit k3 LandschaftsArchitektur
Das neue Umfeld der Stadtbibliothek am Spitalhof wird zu einem lebendigen, öffentlichen Stadtraum, der
Gemeinschaft, Wissen, Aufenthalt, Kultur und Geschichte miteinander verbindet. Als zentrales Element
bildet die neue Stadtbibliothek den identitätsstiftenden Ankerpunkt. Ein offener Ort des Lernens, der
Begegnung und des Verweilens, dessen Atmosphäre sich selbstverständlich in den Außenraum fortsetzt.
Der Entwurf versteht das Areal als ein durchgehendes Freiraumsystem, das Altstadt, Bibliothek,
Spitalhofensemble und die angrenzenden Bewegungsräume der Archivstraße und Johann-Philipp-Palm-
Straße miteinander vernetzt. Der Spitalhof selbst entwickelt sich zu einem großzügigen Stadtplatz mit
hoher Aufenthaltsqualität, der historische Bezüge aufnimmt, zeitgemäße Nutzungen ermöglicht und
zugleich eine klimaangepasste, robuste Gestaltung erhält.
So entsteht ein moderner, zukunftsfähiger Stadtraum, der offen, barrierefrei und ökologisch wirksam
gestaltet ist. Er lädt zum Verweilen ein und reagiert flexibel auf wechselnde Anforderungen. Im
Stadtkontext ordnet sich der Platz dabei klar unter und schafft im System öffentlicher Räume als dritter Ort
einen Anlaufpunkt mit eigenständiger Charakteristik.
Raumstruktur und Aufenthaltsqualität
Die Platzfläche des Spitalhofs entwickelt sich zu einem urbanen Begegnungsraum, der Offenheit und hohe
Aufenthaltsqualität miteinander verbindet. Im Zentrum entsteht eine großzügige, flexible Platzmitte, die
Raum für Aufenthalt, Veranstaltungen und temporäre Nutzungen bietet. Umgeben wird sie von grünen,
baumbestandenen Inseln mit Sitzgelegenheiten, Lesepunkten und ruhigeren Bereichen, die zum Verweilen
einladen. Die Bibliothek erhält dabei eine großzügige Vorzone, die Innen- und Außenraum miteinander
verknüpft, während entlang der Platzkanten Sitzquader aus Naturstein Möglichkeiten zum Lesen,
Beobachten und Begegnen schaffen.
Am Übergang Archivstraße - Johann-Philipp-Palm-Straße formt sich ein stadträumliches Gelenk, das
Bewegung, Aufenthalt und sichere Querbarkeit vereint. Der Straßenraum ist bewusst als Raum für
Menschen gestaltet. Fahrradbügel, Sitzmöglichkeiten und eine beruhigte, eindeutige Verkehrsführung,
sowie durchgängige Oberflächen unterstreichen den entschleunigten Charakter.
Der gesamte Freiraum wirkt so zusammenhängend, gut verständlich und öffnet Blickbezüge zur
historischen Bebauung und Wegmarken. Erhaltenswerte Baumbestände werden gesichert und durch
klimaresiliente Arten ergänzt, während kleine Stauden- und Gräserinseln Zwischenräume mit hoher
Aufenthaltsqualität schaffen - Orte, die als Treffpunkt dienen und zu Begegnung einladen, ganz ohne
Konsumzwang.
Mobilität und Erschließung
Die Archivstraße und Johann-Philipp-Palm-Straße werden als Shared Space neu gedacht – Verkehr wird
dadurch umgeleitet und FußgängerInnen und Radfahrende erhalten Vorrang. Querungen im Umfeld sind
barrierefrei und intuitiv wahrnehmbar, Fahrradstellplätze sind gleichmäßig entlang der Wege und
Platzkanten integriert, funktional und gestalterisch eingebunden. Anlieferungs- und Rettungsfahrten
bleiben möglich, ohne den Stadtraum zu dominieren. So entsteht ein zusammenhängendes
Bewegungsnetz, das über genügend Abstellmöglichkeiten für Fahrradfahrer verfügt und gleichermaßen
Begegnungsorte in der Straße integriert.
Treffpunkt, Wissen, Wasser,
Ökologie und städtisches Leben greifen ineinander, es entsteht ein identitätsstiftender Stadtraum

Phasierung
Zentrales Element des Spitalhofs ist die große Klimainsel – ein grüner, ökologisch wirksamer
Aufenthaltsbereich mit hoher atmosphärischer Qualität. Die Entwicklung der Klimainsel erfolgt bewusst in
zwei zeitlich gestaffelten Phasen, um ökologische Prozesse frühzeitig anzustoßen, eine gestalterische
Vorwirkung sichtbar zu machen und gleichzeitig den aktuellen Stellplatzbedarf bis zur vollständigen
Umsetzung zu gewährleisten.
Phase 1: Beginn der Transformation Spitalhof
Die Phasierung ist so gestaltet, dass bereits in Phase 1 ein Großteil der Umgestaltung realisiert werden
kann. Neben den Straßenanschlüssen und den Shared Space Zonen kann die Platzgestaltung im Norden
und der Gesamte spätere Platzbelag umgesetzt werden. Die Form der späteren Klimainsel wird durch
Grünflächen, Rasengittersteine und Asphaltbelag aus dem Bestand nachempfunden und kann in Vorbereitung auf Phase zwei einfach rückgebaut werden. So entsteht eine frühe räumliche Lesbarkeit der
Klimainsel, noch bevor sie vollständig umgesetzt ist und die Nutzbarkeit des vollen Platzangebots für
Veranstaltungen. Innerhalb der späteren Pflanzinsel befinden sich in dieser Übergangsphase insgesamt 14
Stellplätze, ergänzt durch drei weitere Stellplätze im südlichen Randbereich. Es ist flexibel möglich die
Anzahl an Stellplätze sukzessive zu reduzieren und mehr Qualität auf den Platz zu bringen.
Die barrierefreien Stellplätze werden bewusst eingangsnah zur Bibliothek angeordnet, um kurze Wege
und gute Nutzbarkeit sicherzustellen. Die Klimainsel ist somit bereits in ihrer räumlichen Lage und
Dimension erkennbar, besitzt erste ökologische Funktionalität und schafft zugleich einen gestalterisch
Ausblick auf die Dimension des späteren Grünraums.
Der Übergang zur Schlosswallschule wird in dieser Phase zunächst durch eine neu gestaltete Mauer
hergestellt, die das Höhenniveau sanft und deutlich angenehmer vermittelt und dennoch alle Eingänge
barrierefrei erreichbar lässt und das Gelände klar definiert.
Phase 2: Vollständige Umwandlung zur Klimainsel am Spitalhof
In Phase 2 erfolgt die vollständige Umwandlung der verbleibenden Asphaltflächen in einen durchgängig
begrünten, klimaaktiven Freiraum. Die provisorischen Stellplätze entfallen vollständig, sodass aus der
Mischfläche eine zusammenhängende Klimainsel entsteht mit durchgängigen Staudenflächen,
klimaresilienten Baumarten, Baumrigolen und klar ausgebildeten Retentionsstrukturen. Die vollständige
Entsiegelung steigert Wasseraufnahme, Verdunstung, Verschattung und ökologische Leistungsfähigkeit.
In dieser Phase erhält die Mauer, zwischen Spitalhof und Schulhof, eine hochwertige Holzlattung,
wodurch sie als langgezogenes Sitzelement nutzbar wird. Sie entwickelt sich so vom rein funktionalen
Geländesprung zu einem sozialen Begegnungsort und einem gestaltprägenden Bestandteil des Spitalhofs
mit fließendem Übergang.
Materialität und Atmosphäre
Die Gestaltung setzt auf robuste, langlebige und natürliche Materialien. Ein durchgängiger Belag aus
hochwertigem Natursteinpflaster bildet den räumlich verbindenden Teppich des Spitalhofs. Sitzquader aus
gebrochenen hellen Natursteinblöcken schaffen klare, ruhige Akzente und fügen sich in ihrer Haptik in
den Kontext ein.
Auf der Johann-Philipp-Palm-Straße markieren Belagsintarsien mit leicht changierenden Natursteinen
Funktionsbereiche, Wegführungen und Zonen für Aufenthalt und Bewegung. Der Shared Space wird
durch subtile Markierungen lesbar gemacht.
Möblierung, Fahrradständer und Beleuchtung folgen einem ruhigen, einheitlichen Gestaltungskanon.
Stahl, Holz und Naturstein bilden eine stimmige, zurückhaltende und zugleich wertige
Materialkombination. Die Bestandsbeleuchtung aus LED-Leuchten bleibt in der Johann-Philipp-Palm-Straße
erhalten, nur auf den Spitalhof finden sich neue, intelligente Leuchtstelen. Die Plätze werden durch
Lichtelemente akzentuiert. Durch eine Beschränkung der Beleuchtung auf die Haupterschließungswege
wird unnötige Lichtverschmutzung vermieden.

Die Pflanzflächen strahlen eine ruhige, lebendige Atmosphäre aus, in der Licht, Farbe und Textur
beständig wechseln
Klimaresilienz, Ökologie und Wasser
Ein zentrales Anliegen des Entwurfs ist die Förderung der Biodiversität im städtischen Raum sowie die
Schaffung einer lebendigen, zugleich ruhigen Atmosphäre. Klimaresiliente Baumarten mit differenzierten
Ausprägungen und Farbabstufungen – darunter verschiedene Ahorne (Acer spec.), Elsbeere (Sorbus
torminalis), Purpur-Erle (Alnus spaethii) und Amerikanischer Amberbaum (Liquidambar styraciflua)
verteilen sich frei über die Hoffläche. Den Shared Space begleiten Japanische Zelkoven (Zelkova
serrata), die ein einheitliches Lichtraumprofil und Durchlässigkeit gewährleisten.
Die Pflanzflächen strahlen eine ruhige, lebendige Atmosphäre aus, in der Licht, Farbe und Textur
beständig wechseln. Robust blühende Stauden wie Helleborus niger, Cyclamen coum und Anemone
hupehensis setzen saisonale Farbakzente, während Ziergräser wie Miscanthus sinensis oder Carex-Arten
Bewegung und filigrane Strukturen einbringen. Durch die Kombination von immergrünen und wechselnden
Blühpflanzen entsteht ein rhythmisches Spiel der Jahreszeiten, das Kontinuität und Wandel spürbar macht.
Der Pflanzenteppich vermittelt Ruhe und zugleich Lebendigkeit und Vielfalt. Zentraler Baustein für die Klimaresilienz ist die wassersensible Gestaltung: Durchlässige Oberflächen,
oberirdische Rückhalteflächen in Rasenmulden und Verdunstungsbeeten sowie unterirdische Rigolen und
Baumrigolen nehmen Regenwasser gezielt auf, speichern es und geben es kontrolliert wieder ab.
Verdunstungsfähige Beläge unterstützen zusätzlich den Wasserhaushalt und reduzieren die Versiegelung.
Das Fontänenfeld im Spitalhof trägt zur Regulierung des Mikroklimas bei, während die eng verzahnte
Vegetation durch Verdunstung einen natürlichen Kühlungseffekt erzeugt und urbane Hitzeinseln reduziert.
Gleichzeitig werden die Retentionsmaßnahmen offen gestaltet, sodass der Umgang mit Niederschlag und
Starkregenereignissen sichtbar und für die Bewohner:innen erfahrbar wird.
Die Neugestaltung rund um die Stadtbibliothek schafft ein neues öffentliches Bindeglied in Schorndorf –
offen, lernorientiert, ökologisch wirksam und atmosphärisch geprägt. Treffpunkt, Wissen, Wasser,
Ökologie und städtisches Leben greifen ineinander, es entsteht ein identitätsstiftender Stadtraum, der
Kultur, Bildung und Alltag miteinander verbindet und als Zukunftsbild eines klimaangepassten, sozialen
und lebendigen Freiraums fungiert und in den bestehenden Kanon an Stadträumen einordnet.



















